Geschichte

Die Gründung der Bruderschaft erfolgte 1473 durch Ruprecht von der Pfalz (47. Erzbischof von Köln von 1463 bis 1480) als Zusammenfassung der Bürgerschützen, die im Kriegsfalle den Stadtherren zu unterstützen hatten. Sehr früh trat der Gedanke der Caritas und der Volksbelustigung hinzu: spätestens ab 1503, als die ersten "Schießspiele" abgehalten wurden, wurde die Bruderschaft nicht mehr nur als Vereinigung von Kämpfern gesehen, sondern auch als integrales Element des bürgerlichen Lebens mit Ernst und Spaß. Dies waren die Vorläufer des heutigen "Königsschießens".

Dass Pflicht, Caritas und Spaß in Einheit gesehen wurde, ist durchaus christlich, und die moderne Management-Psychologie hat dies inzwischen ja auch nchvollzogen (so z.B. die Schriften des Benediktiner-Generaloberen Amselm Grün, etc.).

In der Historie der Bruderschaft ging es auf und ab. Zum Beispiel zum Wechsel vom 17. auf das 18. Jahrh.: durch die Verlagerung der militärischen und polizeilichen Ausgaben weg von der Bruderschaft hin auf die kurfürstlichen Truppen bzw. durch eine organisierte Polizei schien der zentrale Sinn der Bruderschaft verloren gegangen. Anscheinend ging es dadurch in die sehr ruhige Zeit eines beharrlichen Häufleins weniger Schützenbrüder über, die recht lange andauerte.

Es war die gesellschaftliche Anerkennung durch die Mitgliedschaft von Kurfürst Clemens, die der Bruderschaft damals wieder Mitglieder zuführte und neuen Schwung gab.

 

Die Bruderschaft hat in der Vergangenheit nicht immer hier in Tannenbusch ihre Basis gehabt. War es mal im Wallgraben (1792), mal die Rheinbastion (1835) und die "Schützenvilla" in Poppelsdorf (1869).
1910 wurde dann der Schützenhof als heutige Heimat der St. Sebastianus Schützenbruderschaft als erstes Haus im heutigen Tannenbusch - das damals Dransdorf hieß - gebaut und der Schießbetrieb aufgenommen .

Schon einmal geriet der Schützenhof am Ende des zweiten Weltkrieges in Gefahr, nur das Eingreifen beherzter Mitglieder konnte ihn retten. Mehr als einmal wurde im Laufe der Geschichte der Bruderschaft auch die finanzielle Leistungsfähigkeit der Bruderschaft hart herausgefordert, sei es durch äußere Einflüsse, sei es durch Entwicklungen in der Bruderschaft selbst.

Dass beherzte Mitglieder in schwierigen Situationen ungewöhnliche Maßnahmen durchziehen, ist immer wieder das Element in Krisensituationen, das die Bruderschaft vor dem Untergang bewahrt hat.

Und immer wurde im Vertrauen auf Gott ein Weg gefunden, mit diesen Herausforderungen umzugehen. Gott hat die Bruderschaft bisher wohl nicht alleine gelassen.

Heute steht die Bruderschaft zwischen dem Verharren in Traditionen aus vergleichweise unmittelbarer Vergangenheit der letzten 150 Jahre einerseits und Besinnung auf die tieferen Inhalte der über 540jährigen christlichen Tradition jenseits zeitgeschichtlicher Einzephänomene.

An diesem Scheideweg stehend hat die Bruderschaft sich aufgemacht, unter Beibehaltung und Weiterentwicklung der über 540jährigen Schützentradition mit den zugrunde liegenden christlichen Werten dem aktiven Schießsport ein gleichberechtigtes Forum zu bieten.

 

Ziel muß also sein, den von Julius Kardinal Döpfner im Grußwort zum 500-jährigen Bestehen der Bruderschaft angedeuteten "Weg der zwei Komponenten" (christliche Werte in engagierter Beharrlichkeit) im Lichte christlicher Nächstenliebe neu anzutreten.

 

Derzeit stehen wir wieder vor kräftig steigenden Mitgliederzahlen. Auch heute ist es wieder einmal die Aufgabe, diesen Impetus auf die Grundgedanken christlichen Bruderschaftslebens zu lenken und daraus eine Bruderschaft weiter zu entwickeln, die ihre eigenen Mitglieder bereichert und dann in das gesellschaftliche Leben Bonns ausstrahlt.


In diesem Sinne werden auch die modernen Formen des Schießsport ausgeübt. Auf dem erwähnten "Weg der zwei Komponenten" ist der Schießsport nicht der Bruderschaft einziges Geschäft.

Sich beispielsweise erst um die eigenen Bedürftigen zu kümmern, oder den Jugendlichen ein Forum christlichen Miteinander zu bieten, im Leben der Bruderschaft spüren zu können, daß sich hier Menschen um Dinge kümmern, die woanders verkümmern - wenn das gelingt, dann ist der grüne Rock nicht mehr das verstaubte Relikt kaiserlicher Großherrlichkeit, sondern dann steht er für die Werte und Lebensweisen, die einer christlichen Bruderschaft gut zu Gesicht stehen und die begeistern können.